Wie kam die Stadttaube zum Menschen...?

A city pigeon perched beside vibrant flowers in an urban environment, showcasing nature amidst concrete.

Der Ursprung

Unsere Stadttauben stammen von der Felsentaube ab – der Columbia livia. Diese lebte ursprünglich in den Felsenregionen rund um das Mittelmeer, Nordafrika, des Nahen Ostens und Teilen Asiens. Sie nisteten vorrangig in Klippen, Felsspalten und Höhlen. Dies bevorzugt die Stadttaube noch heute. Der Mensch hat diese Strukturen mit seinen Gebäuden nachgeahmt und die Taube erkennt darin ihren natürlichen Nistplatz wieder. Daher hocken sie gern an Häuserwänden, auf Steinverzierungen an Gebäuden, Statuen, Wasserspeiern und Denkmälern aus Stein. Hättest du das gewusst?

A striking close-up of pigeons showcasing vibrant plumage and sharp focus in natural light.

Die Zähmung

Schon vor über 5.000 Jahren begannen Menschen Felsentauben zu fangen und zu halten. Die ersten sicheren Nachweise der Taubenhaltung als Haustiere stammen aus dem Alten Ägypten und Mesopotamien. Sie dienten den Menschen vor Allem als Lieferanten von Nahrung. Eier und Fleisch der Taube waren wertvoll und beliebt. Außerdem nutzten die Landwirte den Kot (Guano) der Tauben als Dünger für ihre Felder. Er wurde gezielt gesammelt und dann verteilt und auch verkauft. Schnell fand man heraus, dass Tauben treue Partner sind und, egal wo sie ausgesetzt wurden, sehr zuverlässig zu ihren Partnern zurück flogen. Auch über weite Strecken hinweg. Durch ihr ausgeprägtes Heimfindevermögen wurden sie deshalb auch bald als Briefboten eingesetzt: die Brieftaube war geboren. Schon immer jedoch galten die Tauben in vielen Kulturen als heilig, z.B. als Begleiterinnen von Fruchtbarkeits- und Liebesgöttinnen wie Ishtar, Aphrodite oder Venus. Kaum zu glauben, bei ihrem heutigen schlechten Ruf, oder?

A flock of pigeons flying over the unique rock formations of Cappadocia at daytime.

Die Ausbreitung

Der Mensch erschloss sich neue Lebensräume und nahm aus seiner alten Heimat mit, was sich bewährte. Also auch die domestizierte Taube. Mit der Sesshaftwerdung des Menschen verbreiteten sich damit auch gezüchtete Haustauben über die Handelsrouten in ganz Europa, Asien und Nordafrika. Römer bauten zudem regelrechte Taubenschläge (Columbarien). Auch im Mittelalter waren solche Taubentürme in Europa ein Zeichen von Wohlstand. Die Taube hatte sich den Platz an der Seite des Menschen, der sie versorgte, gesichert.

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Der Wandel

Ab dem 18. und 19. Jahrhundert änderte sich die Rolle der Taube. Brieftauben blieben ein wichtiger Teil des Lebens der Menschen. Zur Nachrichtenübermittlung waren sie bisher einfach eine bewährte Methode und erfüllten ihr Funktion. Besonders zum Zustellen von Nachrichten in Kriegszeiten konnte sich die Taube bewähren. Dazu eine kleine Geschichte:

Eine Brieftaube namens „Cher Ami“ verdiente sich durch treue Kriegsdienste eine besondere Auszeichnung. Die US-Armee steckte im Oktober 1918 in Frankreich fest und war umzingelt von deutschen Truppen. Sie hatten weder Essen noch Wasser. Zu allem Übel wurden sie dann noch aus versehen von den eigenen Leuten bombardiert. Mit letzter Hoffnung schickten sie drei Brieftauben los. Zwei davon wurden im Kugelhagel nahezu sofort getötet. „Cher Ami“ trug eine Nachricht, in der stand wo sich der US-Trupp befand und dass die eigenen Leute sie beschossen. Als die Deutschen die Taube unter Beschuss nahmen, wurde sie am Brustbein getroffen, verlor ein Auge und ein Bein. Trotzdem kämpfte sie sich 40 km bis zur US-Basis und rettete somit 200 Menschen das Leben. Sie wurde dort sofort tierärztlich versorgt und das Feuer auf die besetzte Region wurde eingestellt. Als die Franzosen später alliierte Kriegshelden feierten, bekam „Cher Ami“ die Auszeichnung des „Croix de Guerre“. Was für eine kleine Heldin…

Mit der Industrialisierung und der Urbanisierung kam es jedoch zunehmend vor, dass Haustauben und Brieftauben entliefen oder ausgesetzt wurden. Diese entflogenen Tiere schlossen sich zusammen, vermehrten sich und passten sich den neuen Strukturen der Städte an.

Close-up of a pigeon perched on a traditional fountain in Patan Durbar Square, Nepal.

Die Gegenwart

Wie du an der Geschichte der Stadttaube erkennen kannst, sind unsere Tauben in der Stadt also keinesfalls Wildtiere, die zufällig in Städten leben. Sie sind vielmehr verwilderte Haustiere und damit die direkte Folge jahrtausendelanger Domestikation. Ihr hohes Fortpflanzungspotential, also dass sie so oft Brüten, stammt aus der Zucht durch den Menschen. Brieftauben wurden auf Leistungsfähigkeit gezüchtet, nicht auf Bestandskontrolle. Haustauben wurden auf die schnelle Lieferung von Eiern und Fleisch gezüchtet. Ohne regulierende menschliche Maßnahmen, wie sachkundig betreute Taubenschläge leiden viele Stadttauben unter Hunger, vogelspezifischen Krankheiten und unkontrollierter Vermehrung.

Wie kam die Stadttaube zum Menschen...?

A city pigeon perched beside vibrant flowers in an urban environment, showcasing nature amidst concrete.

Der Ursprung

Unsere Stadttauben stammen von der Felsentaube ab – der Columbia livia. Diese lebte ursprünglich in den Felsenregionen rund um das Mittelmeer, Nordafrika, des Nahen Ostens und Teilen Asiens. Sie nisteten vorrangig in Klippen, Felsspalten und Höhlen. Dies bevorzugt die Stadttaube noch heute. Der Mensch hat diese Strukturen mit seinen Gebäuden nachgeahmt und die Taube erkennt darin ihren natürlichen Nistplatz wieder. Daher hocken sie gern an Häuserwänden, auf Steinverzierungen an Gebäuden, Statuen, Wasserspeiern und Denkmälern aus Stein. Hättest du das gewusst?

A striking close-up of pigeons showcasing vibrant plumage and sharp focus in natural light.

Die Zähmung

Schon vor über 5.000 Jahren begannen Menschen Felsentauben zu fangen und zu halten. Die ersten sicheren Nachweise der Taubenhaltung als Haustiere stammen aus dem Alten Ägypten und Mesopotamien. Sie dienten den Menschen vor Allem als Lieferanten von Nahrung. Eier und Fleisch der Taube waren wertvoll und beliebt. Außerdem nutzten die Landwirte den Kot (Guano) der Tauben als Dünger für ihre Felder. Er wurde gezielt gesammelt und dann verteilt und auch verkauft. Schnell fand man heraus, dass Tauben treue Partner sind und, egal wo sie ausgesetzt wurden, sehr zuverlässig zu ihren Partnern zurück flogen. Auch über weite Strecken hinweg. Durch ihr ausgeprägtes Heimfindevermögen wurden sie deshalb auch bald als Briefboten eingesetzt: die Brieftaube war geboren. Schon immer jedoch galten die Tauben in vielen Kulturen als heilig, z.B. als Begleiterinnen von Fruchtbarkeits- und Liebesgöttinnen wie Ishtar, Aphrodite oder Venus. Kaum zu glauben, bei ihrem heutigen schlechten Ruf, oder?

A flock of pigeons flying over the unique rock formations of Cappadocia at daytime.

Die Ausbreitung

Der Mensch erschloss sich neue Lebensräume und nahm aus seiner alten Heimat mit, was sich bewährte. Also auch die domestizierte Taube. Mit der Sesshaftwerdung des Menschen verbreiteten sich damit auch gezüchtete Haustauben über die Handelsrouten in ganz Europa, Asien und Nordafrika. Römer bauten zudem regelrechte Taubenschläge (Columbarien). Auch im Mittelalter waren solche Taubentürme in Europa ein Zeichen von Wohlstand. Die Taube hatte sich den Platz an der Seite des Menschen, der sie versorgte, gesichert.

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Der Wandel

Ab dem 18. und 19. Jahrhundert änderte sich die Rolle der Taube. Brieftauben blieben ein wichtiger Teil des Lebens der Menschen. Zur Nachrichtenübermittlung waren sie bisher einfach eine bewährte Methode und erfüllten ihr Funktion. Besonders zum Zustellen von Nachrichten in Kriegszeiten konnte sich die Taube bewähren. Dazu eine kleine Geschichte:

Eine Brieftaube namens „Cher Ami“ verdiente sich durch treue Kriegsdienste eine besondere Auszeichnung. Die US-Armee steckte im Oktober 1918 in Frankreich fest und war umzingelt von deutschen Truppen. Sie hatten weder Essen noch Wasser. Zu allem Übel wurden sie dann noch aus versehen von den eigenen Leuten bombardiert. Mit letzter Hoffnung schickten sie drei Brieftauben los. Zwei davon wurden im Kugelhagel nahezu sofort getötet. „Cher Ami“ trug eine Nachricht, in der stand wo sich der US-Trupp befand und dass die eigenen Leute sie beschossen. Als die Deutschen die Taube unter Beschuss nahmen, wurde sie am Brustbein getroffen, verlor ein Auge und ein Bein. Trotzdem kämpfte sie sich 40 km bis zur US-Basis und rettete somit 200 Menschen das Leben. Sie wurde dort sofort tierärztlich versorgt und das Feuer auf die besetzte Region wurde eingestellt. Als die Franzosen später alliierte Kriegshelden feierten, bekam „Cher Ami“ die Auszeichnung des „Croix de Guerre“. Was für eine kleine Heldin…

Mit der Industrialisierung und der Urbanisierung kam es jedoch zunehmend vor, dass Haustauben und Brieftauben entliefen oder ausgesetzt wurden. Diese entflogenen Tiere schlossen sich zusammen, vermehrten sich und passten sich den neuen Strukturen der Städte an.

Die Gegenwart

Wie du an der Geschichte der Stadttaube erkennen kannst, sind unsere Tauben in der Stadt also keinesfalls Wildtiere, die zufällig in Städten leben. Sie sind vielmehr verwilderte Haustiere und damit die direkte Folge jahrtausendelanger Domestikation. Ihr hohes Fortpflanzungspotential, also dass sie so oft Brüten, stammt aus der Zucht durch den Menschen. Brieftauben wurden auf Leistungsfähigkeit gezüchtet, nicht auf Bestandskontrolle. Haustauben wurden auf die schnelle Lieferung von Eiern und Fleisch gezüchtet. Ohne regulierende menschliche Maßnahmen, wie sachkundig betreute Taubenschläge leiden viele Stadttauben unter Hunger, vogelspezifischen Krankheiten und unkontrollierter Vermehrung.

Close-up of a pigeon perched on a traditional fountain in Patan Durbar Square, Nepal.
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